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11/01/2010
Zutrauen statt Vertrauen
»Vertrauen entsteht durch erlebte "Nicht-Enttäuschung".
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Vertrauen wartet ab, ob ich – über einen individuellen Beobachtungszeitraum – nicht enttäuscht werde. Ich beobachte, bin misstrauisch oder hoffe. Erfüllst du deine Zusagen? Erfüllen sich meine Erwartungen? Enttäuscht du mich eh nicht? Kann ich dir wirklich vertrauen? Wie sehr muss ich dich kontrollieren?
Aus Sicht des Geführten – des Mitarbeiters, des Partners, des Kindes – provoziert diese Erwartung ein vorrangig vorsichtiges Verhalten: »Wie handle ich, um deine Erwartungen nicht zu enttäuschen, um deinen Erwartungen zu entsprechen? Um mich geliebt zu fühlen?«
Mittelmaß und Berechnung, Spekulation und Abwarten prägen so mein Handeln. So gelingt bestenfalls »kein Fehler«. Und dann sind wir scheinbar alle froh: »Ich hab bekommen, was ich wollte – und du hast dich so verhalten, wie ich es erhofft hatte.« Kreativität, Innovation, und Lernen bleiben auf der Strecke.
Zutrauen »traut zu«. Wartet nicht ab. Zutrauen baut auf dein Potenzial, auf das, was du fähig bist zu schaffen. Zutrauen ist »Jetzt«. Zutrauen fordert und fördert dich. Glaubt an deine Fähigkeiten und an deine Größe. Zutrauen bringt Neues ins Leben, schafft ein Klima des »Lernens«. Wenn ich mein Kind zum ersten mal allein zur Schule gehen lasse, kann ich ihm nicht vertrauen. Wie kann ich vertrauen, wenn ich es noch nie erlebt habe? Wenn ich noch nie »nicht enttäuscht wurde?«
Menschenführung braucht Zutrauen. Unseren Glauben an die Kraft und Fähigkeit der Mitmenschen. So kommen wir alle in neue Dimensionen, überschreiten Grenzen und schaffen »noch nie da Gewesenes«.
Zutrauen braucht die Fähigkeit und den Mut zu scheitern. Zutrauen erkennt und meint das Potenzial, die Talente, das noch Unentdeckte im Menschen.
Das Neue war noch nie da. Und somit hemmt unser Wunsch nach Vertrauen unsere Entwicklung - Zutrauen fordert und fördert.
Januar 11, 2010 in Führung | Permalink
Kommentare
sehr schön! bravo! vielen Dank für diese Inspiration. Ich mache gemeinsam mit FreundInnen jeden Sommer ein Jugendlager auf einer Selbstversorgerhütte in der Steiermark - dein Text bringt einiges, was uns dabei wichtig ist, auf den Punkt.
Zutrauen heißt auch immer die eigenen Grenzen zu überschreiten und weiter hinauszuschieben. Gemeinsam mit dem sich entfaltenden Potential des DU ergibt sich eine wunderbare Wachstumsspirale. Ein permanentes Aufbrechen.
Kommentiert von: Johannes Frühmann | 11.01.2010 11:15:23
Passend zu diesem Eintrag möchte ich mich bei meinem Chef und Mentor für sein Zutrauen in meine Fähigkeiten und Kompetenzen sowie für die vielen Impulse zu meiner individuellen Weiterentwicklung bedanken.
Vielen Dank!
Kommentiert von: Beate Maria Beisteiner | 11.01.2010 21:59:14
Gern Beate! Auch ich lern immer viel dabei... :-)
Kommentiert von: Tom Beck | 12.01.2010 00:12:35
